Da die Volksbefragung zur Verlängerung der Salzburger Lokalbahn (S-Link) negativ ausgefallen ist, haben wir uns Alternativen zur Verbesserung der öffentlichen Verkehrsmittel zwischen Salzburg, Berchtesgaden und dem Königssee angesehen. Die die nun vorliegende Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) zeigt, dass leistungsfähige, kosteneffiziente und rasch umsetzbare Alternativen wesentliche Verbesserungen für Bevölkerung, Pendler:innen und Gäste ermöglichen können.
Die Studie wurde im Rahmen eines Interreg-Projektes für die Salzburger Regionalstadtbahn Projektgesellschaft mbH erstellt und untersucht sowohl verkehrliche Bedarfe als auch Angebotsoptionen und Infrastrukturmaßnahmen im grenzüberschreitenden Raum.
Bereits heute zeigt sich eine starke Auslastung des Öffentlichen Verkehrs auf der Achse Salzburg – Berchtesgaden. Eine von uns durchgeführte umfassende Befragung an verschiedenen Standorten am und um den Königssee verdeutlicht zudem die Bedeutung des touristischen Verkehrs:
- 602 befragte Personen, davon
- 64 % Übernachtungsgäste (ÜG),
- 36 % Tagesgäste (TG).
- Besonders Tagesgäste reisen mit 70 % überdurchschnittlich häufig mit dem Auto, Übernachtungsgäste hingegen jetzt schon mit 61% im Umweltverbund zum Ausflugsziel an.
- Gleichzeitig zeigen sich hohe Potenziale für den ÖV, insbesondere wenn grenzüberschreitende Ticketlösungen und dichtere Takte angeboten werden.
Optimierung statt Neubau: Stärkung der Buslinie 840 / 840X als kosteneffiziente Alternative
Ein Kernbaustein der vorgeschlagenen Maßnahmen ist die Attraktivierung der Buslinie 840, welche Salzburg mit Berchtesgaden und dem Königssee verbindet.
Die NKU empfiehlt:
- Durchgehender 30-Minuten-Takt,
- Ergänzung durch Expressbusse (840X) mit nur rund 49 Minuten Fahrzeit,
- Einheitliche und merkbare Abfahrtszeiten („xx:30“),
- Optimierter Anschluss am Bahnhof Berchtesgaden.
Tourismus & Umweltverbund: Große Chancen durch bessere Integration
Die Befragung der Gäste zeigt klar:
- Die Gästekarte wird hervorragend angenommen (ÜG: 58% nutzen sie während Ihres Aufenthaltes für den ÖV).
- Ein grenzüberschreitendes Ticket wird als zentrale Verbesserung genannt.
- Viele Gäste würden häufiger den ÖV wählen, wenn Überfüllung reduziert und Takte erhöht werden.
Diese Hinweise bestätigen, dass qualitative Verbesserungen im bestehenden System unmittelbare Wirkung erzielen – unabhängig von einem Bahnausbau.
Parkraum- und Radverkehrsmaßnahmen entlasten die Region
Zur Entlastung des Straßenraums sieht die Studie weitere flankierende Maßnahmen vor:
- Regionale Vereinheitlichung der Parktarife,
- Schrankenloses digitales Parken (Kennzeichenerkennung),
- Kurzparkzonen mit Smart-Parking-Lösungen,
- Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität.
Die Radroute Richtung Salzburg verläuft teils entlang der stark befahrenen B305 – ein Grund, warum Gäste sie häufig meiden.
Empfohlen werden:
- Lückenschlüsse entlang des Mozart-Radwegs,
- Sicherere Radwege zwischen Berchtesgaden und der Staatsgrenze,
- Attraktive Bike-&-Ride-Knoten mit gesicherten Abstellanlagen.
Fazit: Verkehrliche Verbesserungen sind auch ohne Bahnprojekt realisierbar
Die Nutzen-Kosten-Untersuchung zeigt deutlich: Auch wenn die Königsseebahn derzeit nicht weiterverfolgt wird, bestehen konkrete und wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen, die schnell umgesetzt werden können und eine spürbare Entlastung sowohl für Einheimische als auch für Gäste bringen.
Mit einem modernen ÖV-Angebot, verbessertem Parkraummanagement und gezielten Lückenschlüssen im Radwegenetz kann die Region Salzburg – Berchtesgaden – Königssee nachhaltig profitieren.
